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19.11.2009 | Youki | Oliver Lukesch
„Diese einsamen Männer - sie schmecken vorzüglich!“
Mühsam ernährte sich das Eichhörnchen - bzw. füllte sich der Saal des alten Schl8hof Wels am zweiten Screeningtag der Youki 11. Das Moderatorinnen-Team stellte sich als "neue Zusammenmischung" vor und versprach, den Zeitplan heute auch tatsächlich einzuhalten. Block fünf und sechs des Wettbewerbprogramms im Rückblick.
Nach dem obligatorischen Bionade-Spot (Wann schmeckt eine Cola am besten? Wenn man sie kurz vor dem Öffnen mit Bionade ersetzt!) und der 325ten Wiederholung des Youki 11 Trailers starteten die ersten Meisterwerke junger Filmkunst. An dieser Stelle wieder eine Auswahl, wie sie ein Zufallsgenerator besser nicht hätte machen können - selbstverständlich inklusive Geheimtip. With bare Hands Was ergeben dadaistische Tanzszenen gemixt mit einem ordentlichen Löffel Überblendungseffekten, einer markante Farbgestaltung und einem Spannungsbogen, bei dem Logik nur die zweite Geige spielt? Richtig - einen klassischen David Lynch. Leider schafft es „With bare Hands“ in keinem Augenblick, sich vom großen Vorbild abzuheben und eigene Akzente zu setzen. Muss der Film allerdings auch nicht: die Mischung gefällt auch so, nicht zuletzt aufgrund des stimmungsvollen Musikuntermalung. Nur eine lichtstarke Kamera wäre bitter notwendig gewesen. Für ein ein unfreiwilliges Highlight sorgte eine der Moderatorinnen beim Filmgespräch nach dem Screening: „Du hast für den Film einen ganzen Raum leergeräumt - wie hast du das geschafft?“ Wenn ein Engel dich liebt Ein Rapper, der in die Kamera gestikulierend eine Graffiti-Wand abläuft und dabei mit der Aussprache eines Presslufthammers Wörter aus seinem Mund purzeln lässt - wie originell. Nimmt man die klassischen Rap-Klischees (inklusive der Bevormundung der im Film vorkommenden Frau) allerdings als gegeben, sieht man sich einer durchaus gelungenen Produktion gegenüber, die zumindest auf der technischen Ebene teilweise zu überzeugen weiß. Rather infamous than unkown Der Robin Hood Bogen als plattes Symbol für Zielstrebigkeit oder ein subtiler Hinweis auf die drohende Gefahr eines Amoklaufs? Die neue Jacke als eine Metapher für die Wandlungsfähigkeit des Protagonisten oder die bloße Manifestation der unreflektierten Annahme, die Rezeptoren des weiblichen Gehirns würden beim Geruch von Markenkleidung Silvester feiern. So oder so - „Rather infamous than unkown“ ist durch und durch die Kopie eines klassischen Hollywood-Highschooldrams, welches sich nur durch die Einführung einer imaginären Robin Hood Figur selbst wenige Zentimeter aus dem Einheitsbrei der Teenie-Filme emporzuheben vermag. Gute Darsteller. Railrunner Die Zutaten: ein Zugabteil ohne nervende Zaungäste, eine Handykamera, deren Auflösung noch aus dem letzten Jahrtausend stammt und die Soundtracks von Klassikern des Hollywood Kinos wie „Mission Impossible“ oder „Superman“. Die Idee: durch eine geschickte Wahl des Kamerawinkels erzeugt „Railrunner“ die Illusion, eine vor die Kamera gehaltene Hand würde auf Schienen laufen. Das Fazit: einer der originellsten Filme dieses Festivals - und eine potentielle Trendsportart. Story Die überzeugende Stimme des Hauptdarstellers spricht in der Manier klassischer Detektivgeschichten der Film noir Zeit aus dem Off über die Bilder und philosophiert über Liebe, Anfänge und Enden. Dazwischen Schießereien in einem an „Kill Bill“ angelehnten Comicstil und gegen Ende sogar noch ein netter Twist in der Handlung. Dieser Film gibt sich erst gar nicht der Versuchung hin, sich über seine Vorbilder zu erheben, sondern erfüllt die Stereotypen bzw. Anforderungen des Genres auf den Punkt. Im konkreten Fall: gut so! The Message Inhalt: Krebspatient erfährt durch ein Gespräch mit seinem Unterbewusstein in einem wüstenähnlichen Areal von seinem Zustand. Umsetzung: Pseudophilosophisches Gebrabbel zweier Protagonisten, die versuchen, dem Gespräch durch die Wahl der verwendeten Sprache (Englisch) Relevanz zu verleihen. Fazit: bemüht. Kürzer und technisch besser umgesetzt möglicherweise sogar wirklich sehenswert. L'apetit „Viele Menschen haben den Spaß am Leben verloren, da sie die kleinen Dinge übergehen - ich nicht. Ich liebe den Geruch von Kaffee, das Geräusch von lachender Kinder, ...“. „l'apetit“ beginnt wie die „fabelhafte Welt der Amelie“, selbst der Soundtrack erinnert frappierend an den französischen Film. Wer allerdings nach einem Satz wie „Am liebsten mag ich diese einsamen Männer - sie schmecken vorzüglich!“ noch immer der Versuchung erliegt, diesen Film in ein Blumenkistchen zu stecken, hat sich sprichtwörtlich geschnitten. Ein hervorragender Film, kurz und knackig – nur technisch leider nicht perfekt. The way out Ein laufender Mann auf einem Feldweg. An seinen Fersen kleben nur wenige Meter hinter ihm die betrogene Ehefrau, ein Kredithai und ein beträchtlicher Tross weiterer Personen, denen er offensichtlich auf die Zehen getreten zu sein scheint. Die gottgleiche Stimme aus dem Off stellt ihn vor die Wahl: „Du hast drei Möglichkeiten: entweder du versuchst, all deine Probleme ins reine zu bringen, du tauchst ab, oder du rennst dein ganzes Leben lang weiter. Du entscheidest!“. Fazit: ein toll in Szene gesetzter Kurzfilm auf Basis einer originellen Idee mit einem unerwarteten Ende. Nicht kurz und gut sondern kurz und klasse - der heutige Geheimtip! Randbemerkung Viele der heute präsentierten Filme versuchten nur im Ansatz, durch Innovation und Originalität zu glänzen. Das Haupaugenmerk lag eindeutig darauf, bekannte Film bzw. deren Stile auf einer beinahe rein technischen Ebene zu kopieren, frische Akzente: Fehlanzeige. Eigentlich schade drum. Links & Webtips: Foto: System Jaquelinde |