Medien- & Kulturplattform junQ.at
20.11.2009 | Youki | Oliver Lukesch
Seids ihr alle ausgeschlafen?
Die Youki-Version der Kasperl-Frage eröffnete heute den dritten und letzten Screening-Tag des Jugendmedienfestivals. Schade, dass viele der Anwesenden die Frage mit einem eindeutigen „Nein!“ zu beantworten hatten - denn filmisch gesehen hatten es die Blöcke drei und vier des Festival-Programms durchaus in sich.
CECI N'EST PAS UNE MOUCHE Endlich, ein 3D Animationsfilm - wurde auch höchste Zeit! Die Story: Mann jagt mit Ölschinken eine gemalte Fliege im Museum und findet dabei ein böses Ende. Das Fazit: innovativ gestalteter 3D Charakter, hervorragend animiert, kurz und lustig in Szene gesetzt. Ein schönes Häppchen für Zwischendurch. HIGHWAY TO HEAVEN Eine Dokumentation über alte Autos und alte Auto-Freaks, Erzählungen eines abgehalfterten Asphalt-Rowdies wechseln sich mit Aufnahmen von Oldtimer-Treffen. Auf handwerklicher Ebene gibt es an dem Werk nichts auszusetzen, inhaltlich überwiegt Monotonie auf durchgehend hohem Niveau. Wären die Untertitel auch noch in einer Art und Weise gestaltet worden, die auch das Lesen vor hellen Bildschirminhalten erlaubt hätte - das Prädikat „sehenswert“ wäre wohl angebracht. WWOOFING Stille und klare Bilder eines dezent ramponierten Gewächshauses mitten im Nirgendwo, unbarmherziger Wind bringt die weißen Plastik-Planen zum Quietschen dass es eine Freude ist. Ohne Kommentar, Musik und auch nur den Ansatz eines gesprochenen Wortes dokumentiert „WWOOFING“ das Leben eines Feldarbeiters, die ruhigen Bilder bestechen durch ihre Ausdruckskraft. Fazit: tolle Dokumentation im Stile des Direct Cinema, ein einmaliges Stimmungsbild. TE VAS A LASTIMAR Wehende Wolken vor grauem Himmel, starker Wind sorgt für charakteristisches Pfeifen, Nadjas Haare werden zum Raub der Böen - eine Idylle abseits von Palmenstrand und Blumenwiese. Plötzlich ein harter Schnitt: die junge Frau liegt im Bett eines Krankenhauses, ihr Rücken blutet. Nadja wachsen Flügel. Anstatt das Wunder als solches anzuerkennen unterhält sich eine Tross von Ärzten darüber, wie der jungen Frau die Federn am besten zu stutzen seien. Während die Ärzteschaft das Besteck für die Operation vorbereitet, versucht Nadja, aus dem Krankenhaus zu entfliehen, stellt sich sogar auf ein Fenster und droht zu springen. Die letzte Aufnahme zeigt Nadja wieder in den Fängen eines Krankenbetts. Fazit: "TE VAS A LASTIMAR" ist eine der wenigen Produktionen, die schon im Vorspann mit den Logos einiger Produktionsfirmen protzen konnten - und das zurecht. Der Film ist eine technisch und inhaltich hervorragend umgesetzte Parabel auf unsere, sich und ihre Mitglieder oftmals selbst in den Möglichkeiten beschneidende Gesellschaft. MOTION Ein springender Ball, Karotte schneidende Finger, ein tropfender Wasserhahn und ein sich drehender Kreisel. In schönen Close Ups, gut ausgeleuchtet und alle Register der Tiefenschärfe ziehend, führt „MOTION“ seinem Publikum die Magie der kleinen Abläufe vor Augen. Für Lachen beim Publikum sorgt die leicht versetzte Tonspur, welche vor allem beim Hämmern für unfreiwillige Komik sorgte. AEROSOL Nachdem ein klassischer Spraydosen-Ausflug zu den jungfräulichen Wänden einer Großtstadt aus dem Ruder gerät, lehnt sich der Protagonist von Aerosol gegen seinen verantwortungslosen Sprayer-Freund auf. Ihm liegt nur das Sprayen am Herz, Gewalt und Diebstahl scheinen nicht sein Ding zu sein. Fazit: simpel gestricktes Urban-Ghetto-Kid-Movie, welches sich stilistisch eng an die Grenzen des Genres hält. Gut produziert, Musik, Dramaturgie und Darsteller wissen beinahe ohne Abstriche zu überzeugen. ZOOT WOMAN - MEMORY Erfolgsgeschichte, Youtube-Style: was dabei rauskommen kann, wenn eine bekannte Band einer Handvoll Studenten, die sie über Youtube entdeckt haben, vollkommenen künstlerischen Freiraum zugesteht, zeigt Memorys: sechs Monate Studien-Pause, 2000 handgezeichnete Frames und tosender Applaus von Seiten des Publikums. Im subjektiven Stil der Marke „Smack my Bitch up“ zieht ein einsamer Jüngling mit einer Box voller Erinnerungen durch Wien und schwelgt in Form von animierten Polaroids in Erinnerungen an eine offensichtlich zu Bruch gegangene Beziehung. Fazit: Ein wahre Augenfreude und eines der filmischen Highlights der Youki 11! Links & Webtips: Foto: System Jaquelinde |