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21.01.2010 | Musik | Christoph Thorwartl
„Dürfte der österreichische Minderwertigkeitskomplex sein!“
"Gasmac Gilmore" gelten nicht zuletzt nach dem Austrian Newcomer Award 2009 als aufstrebende Band. Als Vorband von "La Brass Banda" gaben sie sich vor kurzem im Linzer Posthof die Ehre. subtext.at hat sie nach ihrem Auftritt vor das Mikrofon gebeten.
subtext.at: Wie würdet ihr einem Gehörlosen den Stil von Gasmac Gilmore beschreiben? Elias: Das ist die Musik, die U-Bahn-Waggons zum Wackeln bringt. Und das kann man dann natürlich auch sehen. subtext.at: Wie kann man sich als Linzer ein Konzert in einer U-Bahn vorstellen? Stellen sich da einfach fünf Musiker in eine U-Bahn und spielen ein Konzert? Matthias: Naja, das war schon so, dass wir das ganz kurzfristig angekündigt haben. Die treuesten Fans werden schon mitkommen, haben wir uns gedacht. Im Endeffekt waren es dann aber um einiges mehr als nur die engsten Fans – das dürfte sich also ziemlich schnell herumgesprochen haben. Wir haben auch nicht gewusst, wie es werden wird. Allerdings ist dann aus geplanten 20 Minuten eine ganze Stunde geworden. Max: Das war auch das größte Problem, dass wir eigentlich nur so wenig Programm hatten. Wir haben dafür auch nur drei Nummern mit gehabt, da wir damit gerechnet haben, nach einer oder spätestens zwei Stationen hinausbegleitet zu werden. Nach zwei Stationen hat sich der Wagen aber gefüllt und dann auch zu schaukeln begonnen. In den Haltestellen sind zwar Securities gestanden, die geschaut haben, aber dann doch nicht eingestiegen sind. Es war einfach zu viel Action drinnen. Am nächsten Tag haben uns die Wiener Linien lustigerweise auch noch zu dem Auftritt gratuliert. subtext.at: In einem anderen Interview mit euch war folgende Aussage zu lesen: „In Österreich muss man einen steinigen Weg gehen, um Anerkennung zu erhalten“. Um wie viel einfacher ist es, wenn man im Vertrieb des Albums ein Major-Label dahinter stehen hat? Max: Das mit den Majors ist so eine Sache. Natürlich ist es schön, wenn man ein Major-Label im Rücken hat – man ist überall erhältlich und wird auch ein bisschen besser gebucht, einfach weils schön ausschaut. Andererseits sind die Konditionen von Majors einfach der Wahnsinn. Die fressen dich halt auf der Seite wieder auf. Uns hat es schon ein bisschen was gebracht, aber ich glaube, dass der Weg der Majors nicht der zukünftige Weg der Musikindustrie sein wird. Nicht ohne Grund kracht ein Label nach dem anderen. Das Prinzip der Indies ist das, was funktionieren wird – das müssen nur noch die Geschäftsleute checken. subtext.at: Ihr habt gerade angesprochen, dass die Konditionen von Majors „der Wahnsinn“ sind. Könnt ihr trotzdem von der Band leben, oder müsst ihr euch auch noch anderweitig durchschlagen? Elias: Naja, der Straßenbahnfahrschein geht sich grad noch aus (lacht). Max: Man kommt schon irgendwie über die Runden, aber ein Luxusleben ist es halt auch nicht. Das Rockstar-Leben und das Maybach-Fahren spielt es natürlich nicht. Man kratzt an der Armutsgrenze (lacht). Pavel: Also ich trinke schon Champagner und werfe Fernseher aus dem Hotelfenster. (lacht) subtext.at: Zurück zu den Major-Labels. Wird man von denen in ein gewisses Anforderungsprofil hineingedrängt oder kann man trotzdem seinen eigenen Stil beibehalten? Max: Bei uns war es denen völlig wurscht, weil wir ja nur ihren Vertriebskanal nutzen und die dafür eh genug Prozente von uns kassieren. Die hatten da gar kein Mitspracherecht in Bezug auf unsere Musik. subtext.at: Den meisten werdet ihr wahrscheinlich durch den Austrian Newcomer Award 2009 bekannt sein. Zu diesem Zeitpunkt hattet ihr bereits zwei Alben sowie eine Single zum Animationsfilm „Zirkus“ veröffentlicht. Fühlt ihr euch damit noch als Newcomer? Matthias: Ich hab mir damals auch gedacht: „So alt muss ich werden, um ein Newcomer zu sein.“ Aber dann wars dann halt da erst soweit. Aber wenn man sich heute Newcomer ansieht, gerade bei diesem Award, dann sind das meistens Bands, die zuvor schon was veröffentlicht haben und sehr viel hinter sich haben. Das hängt dann auch wieder mit Österreich zusammen, wo man einfach sehr viel tun muss, um die nötige Aufmerksamkeit zu kriegen. Max: Das mit dem Newcomer ist auch so eine Sache. Das ganze Bandleben zur Zeit ist eine extrem kurze Geschichte. Du hast da dein „Sternchen“, dann eineinhalb erfolgreiche Jahre, und dann ist es wieder vorbei. Als Zuseher hast du da das Gefühl, die schießen aus dem Boden und sind dann da, ohne vorher jemals was gemacht zu haben. Jeder, der Musik macht, macht das schon länger, und irgendwann erfolgt dann der Durchbruch – das ist nicht vom Alter abhängig. Im Prinzip geht es darum, das Album zu machen, das bei den Leuten „einfährt“. Dann ist man der Newcomer und wenn man es ein zweites Mal schafft, ist man eine gesetzte Band. |