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21.01.2010 | Musik | Christoph Thorwartl
subtext.at: Vor einiger Zeit hat Guadalajara im subtext.at-Interview gemeint, dass es als österreichische Band sehr schwer ist, auf den großen österreichischen Festivals zu spielen. Würdet ihr dem zustimmen?
Pavel: Naja, es gibt ein großes Problem in Österreich – einheimische Musik wird nicht im Radio gespielt. Europaweit liegt es auf Platz eins der Rangliste mit der wenigsten einheimischen Musik und weltweit auf Platz drei, glaube ich. Wenn ein großes österreichisches Festival kommt, kommen mehr ausländische Bands, weil die Leute diese Bands durch das häufigere Spielen im Radio besser kennen. Wenn das geändert wird, wäre das für die ganze Szene wichtig und es würde auch viel mehr Geld in Österreich bleiben. Momentan ist es ja so, dass ein Großteil der AKM-Gelder ins Ausland geht. subtext.at: Kommen wir zurück zum Newcomer Award und den Publikumspreis, den ihr dort eingeheimst habt. Habt ihr das Gefühl, dass ihr diesen steinigen Weg, um Anerkennung zu finden bereits geschafft habt? Max: Nein, geschafft haben wir den noch lange nicht – aber es war schon Balsam für die Seele, den zu bekommen. Man kämpft jeden Tag mit Anerkennung. Was Pavel bereits angesprochen hat – es ist einfach schwer, als österreichische Band in Österreich anerkannt zu werden. Das dürfte der österreichische Minderwertigkeitskomplex sein. Wenn es dann Auszeichnungen wie den Newcomer Award oder den Amadeus gibt, dann ist das Anerkennung für die Musiker, dass es nicht umsonst ist. Pavel: Es war eine ganz schöne Überraschung, weil wir es gar nicht erwartet hatten. Wir waren so was wie das schwarze Schaf von dem Abend. Es waren viele Bands in Richtung Ö3-Musik da, umso überraschender war der Award dann natürlich. Elias: Ich wollte noch anmerken, dass es zwar stimmt, dass es in Österreich schwer ist, in den letzten Jahren hat sich aber auch eine beachtliche Indie-Festivalszene entwickelt. Es gibt zig Festivals, wo irgendwelche Leute am Land sich einen Spaß daraus machen, so etwas meistens unentgeltlich zu organisieren. Das sind einzigartige Events und es macht sehr viel Spaß, dort zu spielen. subtext.at: Vom eher elektronischen Einfluss auf eurem Debütalbum „Sicknum“ bis hin zum Balkan-Rock auf eurem aktuellen Album „About Boys and Dogs“ ist es doch ein ziemlicher Spagat. Bleibt da noch Raum für Veränderungen? Max: Naja, ich glaube, es ist ein wichtiger Bestandteil dieser Band, immer zu versuchen, sich zu verändern und nie stehen zu bleiben. Veränderung und Frisches ist immer gut – wir haben seit einem Jahr jetzt auch die Geige dabei. Was beim nächsten Album rauskommt, weiß ich aber nicht. Elias: Ich hoffe, dass wir das Album noch innerhalb dieses Jahres zu schaffen. Das ist aber auch immer das schwere daran – sich immer neu zu erfinden. Ich will aber nur ein Album, wenn wieder Neues für die Fans darin ist. Das macht den Prozess des Liederschreibens aber auch langwieriger. Andererseits macht das auch den Spaß an der Musik aus. Pavel: Es gibt viele Möglichkeiten, etwas Neues zu bringen. Wir treffen neue Leute, wir hören neue Musik, wir spielen mit neuen Musikern und machen Kollaborationen mit anderen Musikern. Damit verändern wir uns auch – denn Musik bleibt nicht stehen. subtext.at: Gehen wir ein bisschen weg von eurer eigenen Musik. Was läuft bei euch zu Hause auf Heavy Rotation? Max: Ich hab seit zwei Jahren eine kleine Tochter, und mittlerweile ist es so, dass sie bestimmt, was zu Hause läuft. Das geht dann nach „mag ich“ oder „mag ich nicht“. Matthias: Muse in letzter Zeit, das neue Album – eben weil es neu ist. Pavel: Die Beatles, das Remastered-Boxset. Oliver Nelson, ein Big-Band-Arrangeur, auch in einem Boxset. Und heute in der Früh Talking Heads (lacht). subtext.at: Was war das schlimmste Konzert, das ihr je erlebt habt? Max: Das Schlimmste war Augsburg im Februar 2006. Weitere Kommentare gibt es an dieser Stelle nicht. Matthias: Da sind schon die Kellner nach dem dritten Lied auf die Bühne gekommen und haben uns Getränke gebracht, weil alles so katastophal war. Elias: Am schlimmsten für mich war ein Open-Air auf einem Skatecontest im Oktober oder November – bei Minusgraden. Es hat zwei Skater gegeben, die sich dort gebattelt haben – genauso war dann auch die Party. Es war auch ein denkbar schlechter Zeitpunkt für ein Open-Air. Das war das erste Mal, dass mir beim Spielen kalt geworden ist. Pavel: Die Tournee in Rumänien – die hat dann nämlich nicht stattgefunden. subtext.at: zum Abschluss noch eine Frage, bei der ausnahmsweise die Interviewten die Frage vorgeben. Auf welche Frage in einem würdet ihr nie antworten? Max: Wie heißt du? Matthias: Wie alt bist du? Elias: Ich würde nie auf die Frage antworten, ob ich meine Musik ehrlich finde. Foto: Jürgen Koller |