Yes We Jam 2010
Die Projekte der
Medien- & Kultur-
plattform junQ.at:
junQ.at qlash.at frischluft subtext.at
show junQ.at projects Medien- & Kulturplattform junQ.at
Online-Magazin, Plattform für junge Texte
Banner
subtext.at RSS Feed
Yes We Jam 2010
Banner
Let's get social
Newsletter Anmeldung

Upcoming
Freunde & Partnerinnen
mokant.at Radio FRO Youki CrossingEurope oesterreichischer Medienverband Kupf - Kulturplattform OOE weitere Freunde & Partnerinnen
Ein Projekt von
ein Projekt von junQ.at
Gefördert von
gefoerdert von der Stadt Linz und dem Land Oberoesterreich
michaela_wein_display
Wein vs. Lukesch: Wofür CDs?
Die digitale Gesellschaft übertreibt – lasst die CD leben!

Michaela Wein ist Chefredakteurin und Herausgeberin von mokant.at. Sie mag Oliver Lukesch nicht. Dieser Kommentar ist Teil eines Schlagabtauschs, den Gegenkommentar von Oliver Lukesch gibts hier.

Die Musikindustrie ist tot, die CD ein Relikt – die Musikhörerschaft will individuell entscheiden, womit sie sich beschallen lässt, und nicht auf große Plattenfirmen und deren oftmals nicht nachvollziehbare Auswahl an Veröffentlichungen angewiesen sein. Und trotzdem: wer keine CDs mehr kauft, beschneidet sich selbst des Musikgenusses.

Abgesehen von den Auswirkungen auf die Musikindustrie, die Jahr für Jahr über einbrechende Gewinne klagt, schadet der Download und das Streamen von Musik vor allem einer Gruppe: den Musikern selbst, die nicht nur ihr Werk unter die Hörerschaft bringen, sondern vielleicht auch irgendwann einmal von ihrer Kunst leben möchten. Der Verkauf von Tonträgern macht ja ohnehin nicht reich, werden manche widersprechen. Trotzdem haben Vertrieb und Bewerbung von CDs ja schon ihre Existenzberechtigung und ihren Sinn; sie machen aufmerksam auf Konzerte und den Künstler an sich, der sein Herzblut in eben dieses Werk gelegt hat, um eines Tages – einen Klick mehr auf dem „Download“-Button verbuchen zu können? Ganz sicher nicht.

Nichts ist schlimmer als jemand, der begeistert vom neuen Kate Nash-Album erzählt – und es in Wahrheit gar nicht besitzt. Sich online ein Album (noch dazu in schlechter Qualität) anzuhören oder es gar irgendwo runterzuladen ist einfach nicht dasselbe. Eine CD ist ein Kunstwerk. Sie besteht immerhin nicht nur aus der Musik an sich, sondern aus vielen kleinen Details, die das Hörerlebnis erst ausmachen: die Anordnung der Songs, die Gestaltung des Covers, die Danksagung des Musikers, spezielle Arrangements wie vor dem ersten Lied versteckte Hidden Tracks (bei den Ärzten gang und gäbe) und grandiose Überleitungen zum nächsten Song. Viel zu viele Aha- und Glücksmomente gehen verloren beim bloßen Hören einer Ansammlung heruntergeladener Lieder. Wer nicht auf dem Heimweg vom Geschäft im Bus schon das Booklet durchblättert, hibbelig kaum den Moment abwarten kann, bis der CD-Player den ersten Ton hergibt – der hat nicht gelebt. Und wird sich seine mp3-Dateien auch nur schwer signieren lassen können.

Stattdessen lädt sich die Downloaderschaft festplattenweise Musik herunter, tauscht sie mit Freunden aus, und brennt unsagbar schlechte Mixes zusammen. Mit Musikliebhaberei kann das nichts mehr zu tun haben – es ist die Sammelwut und die reine Gier, die sie dazu treibt, möglichst viel Musik an sich zu raffen. Der musikalische Kontext und die Künstler an sich geraten in den Hintergrund, sie werden auf „das eine gute Lied“ reduziert. Stümperhafte Playlists werden gebrannt und verteilt, ohne dass ein Gedanke daran verschwendet wird, dass die Anordnung der Songs vielleicht einen Sinn gehabt hat.

Digitale Gesellschaft hin oder her – Heruntergeladene Musik zu hören ist wie das Essen von Käse aus der Tube in einem Berg aus echtem Camembert. Wenn euch Musik schon so egal ist, dann hört auf, euch hinter eurer angeblichen Musikleidenschaft zu verstecken und dreht doch gleich das Radio auf.

Links:

Foto: Michaela Wein
Stumble It! | Google | Mr. Wong | Digg This! | Del.icio.us;
 
Kommentare (5)
der vorwurf...
5 Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 17:14 Uhr
bernhard lenz
... der gleichgültigkeit den mp3-affinen hörern gegenüber sowie die verunglimpfung des mediums radio (im allgemeinen, in den meisten speziellen fällen durchaus angebracht) sind überzogen und unangebracht.

für mich persönlich muss ich allerdings sagen, dass ich musik bewusster und intesiver wahrnehme, wenn ich das album (als gesamtkunstwerk) physisch in die hand nehme und in den player lege. das öffnen einer datei mit einem player geschieht dann doch eher nebenbei, und die aufmerksamkeit, die die musik sicher verdient hätte, wird ihr verwehrt.

in einem muss ich oliver lukesch aber auf jeden fall zustimmen: ja, ich bin ein neurotischer sammler :)
Michaela Wein..
4 Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 17:00 Uhr
Vincent Doom
... ist einfach besser !
ich muss auch mich hier anschließen...
3 Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 12:16 Uhr
christoph thorwartl
Ja, ich gebe es zu - auch ich habe einen Fetisch für Artworks, Booklets, Vinyls, und allem, was die Sonderverpackungen/Editionen so zu bieten haben. Sogar Laserdiscs stehen bei mir im Regal - ich gehöre also zu den absoluten Nerds im Hinblick auf Sammeln, Archivieren und im Regal verstauben lassen. Das ist aber auch der Reiz daran - man hat etwas "zum Angreifen", man hat also das "Kunstwerk" in Händen - etwas, was mir kein Download und keine Festplatte dieser Welt ersetzen können... deswegen kann ich mir kein Leben ohne physische Medien vorstellen :)
Gesamtkunstwerk
2 Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 12:10 Uhr
florianallesch
"Eine CD ist ein Kunstwerk. Sie besteht immerhin nicht nur aus der Musik an sich, sondern aus vielen kleinen Details ..."

Als absoluter Musik-Freak und Plattensammler muss ich mich da voll auf diese Seite der Diskussion schlagen ... eine 4stellige Zahl an CDs und LPs und die Liebe zu diesen Gesamtkunstwerken (Artwork, Lyrik, ...) sprechen wohl für sich.

Der Download-Fraktion ist immerhin zu Gute zu halten, dass sie auch Musik hören und so keine anderen schlimmen Sachen machen ;-)
oje
1 Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 08:16 Uhr
boy orbison
es is eh immer das gleiche. mit dem aussterben eines mediums will man sich halt oft nur ungern abfinden.
aber es hilft trotzdem nix. physikalische releases liegen in ihren letzten zügen und daran ändert auch das festhalten an liebgewonnenem nichts.
die gleiche diskussion gab es bei schellack -> vinyl -> kassette -> cd.

und du unterstellst nebenbei auch ganz pauschal jedem, der seine musik nicht mehr auf dem altmodischen weg bezieht, dass sie ihm egal ist.
nur jemand, der sich cds kauft, hört die auch mit leidenschaft?
das ist elitäres geschwafel in höchster ausprägung, von jemanden, der sich nostalgisch an der vergangenheit festklammert! damit disqualifizierst du dich selbst.

Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Titel:
Kommentar: